Christine Buchheit

*1967, seit 2021 Bürgermeisterin für Umwelt, Jugend, Schule und Bildung in Freiburg

Milchreis-Trick und Abend-Pommes

Mit dem Freiburger Studentenwerk (wie das Studierendenwerk damals noch hieß) hatte ich im Herbst 1987 vom ersten Tag meines Studiums an zu tun. Denn ich hatte keine Bleibe gefunden. Auch in den 1980er Jahren war die Wohnungsnot das vorherrschende Thema für Erstsemester. Der Wohnungsmarkt war leergefegt, ein Wohnheimplatz Glückssache. Wer schon zu Semesterbeginn ein Zimmer gefunden hatte, hatte einen Sechser im Lotto - ich gehörte leider nicht dazu. Stattdessen landete ich in der Notunterkunft des Studentenwerks. In der Alten Universität, in der ich später noch so manche Party feierte, war zu Semesterbeginn ein großer Schlafsaal hergerichtet worden, in dem Studienanfänger für ein paar Mark während ihrer ersten Studientage wohnen konnten. Ich blieb ungefähr zwei Wochen, bis ich dann doch eine kleine Souterrain-Wohnung im Stühlinger fand. 

Und natürlich war ich auch Mensa-Kundin. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich in der Schlange in der Mensa Rempartstraße anstand. Es war immer ein bisschen schade, wenn die Mittagspausenverabredung etwas anderes essen wollte, dann trennten sich die Wege schon im Erdgeschoss, weil jedes Stammessen eine andere Schlange hatte. Besonders attraktiv fand ich den Nachschlag, den es bei Bedarf damals noch gab: Wenn das Geld mal ganz knapp war, konnten sich so auch mal zwei eine Mahlzeit teilen. Und schnell lernte ich auch den “Milchreis-Trick”: Freitags gab es beim Eintopf-Gericht oft Milchreis mit Apfelmus - mit einer leer gefutterten Schüssel von Freund*innen gab’s diesen leckeren Nachtisch dann noch gratis obendrauf. Und unvergessen auch die Abend-Pommes in der Mensa der Naturwissenschaften …

Als ich 1999 beim Dachverband der Studierendenwerke, dem Deutschen Studentenwerk, arbeitete, war es für mich ein besonderes Highlight, bei Hospitationen den Riesenbetrieb Mensa von innen kennenzulernen. Faszinierend, wie in einer Großküche die verschiedenen Zahnrädchen ineinandergreifen. Schade fand ich damals, dass die Kartoffelschälmaschinen überall abgeschafft waren und stattdessen die Convenience-Küche mit in Plastikfolien vakuumierten Kartoffeln Einzug gehalten hatte. Es ist ein echter Fortschritt, dass heute in der modernen Mensa-Küche ökologische Kriterien eine wichtige Rolle spielen und immer mehr Bio-Produkte angeboten werden. Gut finde ich, dass das Studierendenwerk Freiburg anstrebt, bis 2025 50 Prozent der Lebensmittel aus der Region zu beziehen. Damit stärkt das Studierendenwerk die regionale Landwirtschaft und reduziert transportbedingte Emissionen. Ich schneide daher gerne den virtuellen Geburtstagskuchen an und hebe ein Glas Sekt auf den Jubilar: Herzlichen Glückwunsch Studierendenwerk Freiburg. Auf die nächsten 100 Jahre!

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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