Edith Sitzmann

*1963, Landtagsabgeordnete Freiburgs und Finanzministerin in Baden-Württemberg bis 2021

Neues wagen mit Energie, Mut und Weitblick!

Kurz vor der Atomkatastrophe in Tschernobyl kam ich im Frühjahr 1986 nach Freiburg. Tschernobyl war ein großer Schock für mich, es hat nicht nur meine ersten Monate in Freiburg, sondern auch bis heute meine berufliche und vor allem politische Laufbahn geprägt. Ich erlebte diese Zeit als surreal: Man roch nichts, man sah nichts, man schmeckte nichts und trotzdem war die Katastrophe da und hing wie eine bleierne Wolke über uns.

Bis 1989 studierte ich in Freiburg Neuere und Neueste, Mittelalterliche und Kunstgeschichte. Mit Prof. Bernd Martin durften einige Kommiliton*innen und ich das erste selbstorganisierte Frauenseminar veranstalten. Wir beschäftigten uns mit der Geschichte der

Frauenbewegung: von Helene Lange über Clara Zetkin bis Hedwig Dohm. Das war neu, spannend und aufregend. Noch aufregender war eine interdisziplinäre Ringvorlesung „Die Freiburger Universität in der Zeit des Nationalsozialismus“, die ich mit Kommiliton*innen veranstaltete.

Manche Fakultäten waren offen und interessiert, andere hielten sich raus und wieder andere blockierten. Unterlagen im Archiv der Universität blieben streng unter Verschluss und wurden wie der Heilige Gral gehütet. Und das war auch so, als ich meine Magisterarbeit über „Die Politik der deutschen Hochschullehrer in der Weimarer Republik“ schrieb. Ich wollte wissen, warum sich die deutschen Universitäten gleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gleichschalteten. Als Finanzministerin konnte ich 2019 eine wissenschaftliche Untersuchung über „Die Finanzverwaltung in Baden und Württemberg im Nationalsozialismus“ vorstellen. Das war sozusagen die Fortsetzung und für mich von großer Bedeutung!

Dass ich durch Tschernobyl, Frauenbewegung und den erschreckenden Erkenntnissen über das Dritte Reich bei den Grünen gelandet bin, überrascht wahrscheinlich nicht. Dass ich Landtagsabgeordnete, Fraktionsvorsitzende und schließlich Finanzministerin wurde schon. Etwa zeitgleich mit dem 100-jährigen Jubiläum des Studierendenwerks Freiburg werde ich nach 30 Jahren meine politische Laufbahn beenden und Neues wagen.

Die Aufgaben des Studierendenwerks haben sich in den vergangenen 100 Jahren ständig verändert. Auch zukünftig wird es darum gehen, Neues zu wagen, um die Studierenden auf ihrem Weg in eine gute Zukunft bestmöglich zu begleiten und zu unterstützen. Dafür wünsche ich den Beschäftigten des Studierendenwerks Energie, Mut und Weitblick. Alles Gute zum 100. Geburtstag!

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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