Maria-Xenia Hardt

*1990, promovierte Journalistin, schreibt u.a. für fudder / Badische Zeitung, bento und FAZ Online

Nicht mehr richtig jung, aber auch noch nicht wirklich alt!

Als ich 2010 nach Freiburg kam, stand noch die Alte UB. Es gab im Club Kamikaze montags eine „WG-Party“, zu der man seine eigenen Getränke mitbringen durfte. Mein Zimmer im Wohnheim in der Vauban kostete 230 Euro im Monat. Ich hatte mich für einen Bachelor in Anglistik/Amerikanistik eingeschrieben. Dem sollten später ein Master und eine Promotion folgen, sodass ich insgesamt zehn Jahre lang an der Uni Freiburg eingeschrieben war, mit einem Auslandsjahr an der University of Texas in Austin. Soweit die Fakten. Was mein Studi-Leben aber wirklich ausgemacht hat, waren nicht die Abschlüsse, sondern all die Momente dazwischen und die Freundschaften, die mich hoffentlich den Rest meines Lebens begleiten werden.

Da war die Monopoly-Tour durch Freiburgs Kneipen, unter anderem die legendäre Lokalität „Bei Gundi“. Da war die Tramp-Meisterschaft, die 2011 in Freiburg startete und meine gute Freundin Anne und mich bis nach Italien brachte. Überhaupt waren da immer die „Gimlets“: Anne und ich und fünf andere Mädels, die alle zusammen mit dem Englisch-Studium begonnen hatten. Mit Teilen der Clique mieteten wir irgendwann ein Reihenhaus, das „Gimlet Castle“. In einem Poetry Slam-Text schrieb ich einmal, als wir Mitte zwanzig waren („nicht mehr richtig jung, aber auch noch nicht wirklich alt“): „Die entscheidenden Tage waren die, an denen wir Charlston zu 90er-Musik getanzt und die Lautsprecher unter unseren Füßen vibriert haben. […] Der, an dem wir ein Haus gemietet, Mohnblumen gepflanzt und ein unsichtbares Einhorn adoptiert haben. Und all jene, an denen wir mit den Tauben um die Hoheit über die Straßen unserer Stadt gekämpft haben, Bären gejagt, Löwen gezähmt, und um die wirklich wichtigen Entscheidungen ‚Schnick, Schnack, Schnuck‘ gespielt.“ Das bringt es immer noch gut auf den Punkt, und mich zum nächsten: Da waren die Bühnen, auf denen ich mit herumgetrieben habe – Poetry Slam zu Beginn des Studiums und später Theater. Da waren der Pool, den wir für Ibsens „Frau vom Meer“ im Theatersaal der Alten Uni errichteten, 48-Stunden-Aktionen und Publikumsrekorde bei den „Vagina Monologues“ mit den maniACTs. Die Poster von „Closer“ und „American Kitchen“ hängen immer noch gerahmt an meiner Wand, nebst einem Stück 70er-Jahre-Tapete aus letzterer Produktion, für die ich zwei Theaterstücke und 27 Toaster in einer senffarbenen Küche zusammenwarf. Und dann war da noch all das, was man draußen machen kann, in Freiburg und drum herum, was das Leben hier so wunderbar macht: Wanderungen und Ausflüge mit dem Rennrad, „Tour Eucor“, Freiburg Marathon, Schluchseelauf und St. Georgener Weinfest direkt danach. Was mal als Studienort angefangen hat, ist längt meine Wahlheimat geworden.

In der Zwischenzeit hat sich Freiburg ganz schön verändert: Das Kamikaze gibt es schon lange nicht mehr (dort ist jetzt das One Trick Pony). Selbst beim Studierendenwerk bekommt man keine Zimmer für 230 Euro mehr. Und die Alte UB ist der neuen gewichen – kurz nach der Eröffnung schrieb ich dort meine Master-Arbeit, und auch Teile meiner Doktorarbeit sind dort entstanden. Ich habe es wirklich ausgedehnt, mein Studium, und ausgefüllt, aber irgendwann war auch für mich Schluss. Gerade heute, während ich diesen Text schreibe, am 31. März 2021, geht mein Studi-Leben offiziell zu Ende. „Sie haben Ihr Studium beendet“, steht als Begründung für die Exmatrikulation im Schreiben des Prüfungsamts. Ab jetzt gehöre ich dann wohl zu den Menschen, die nostalgisch auf diese Zeit zurückblicken und allen, die es hören wollen, davon erzählen, von den Gimlets und den Bühnen und auch den Seminaren und Vorlesungen dazwischen. Im Englischen sagt man: „My heart is full.“ Und das beschreibt sehr gut das Gefühl, das ich habe, wenn ich auf meine Studi-Zeit zurückblicke.

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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