Matthias Deutschmann

*1958, preisgekrönter Kabarettist mit dem Cello als Markenzeichen

Dabei sein ist alles!

93 Jahre Studentenwerk und 7 Jahre Studierendenwerk  – zusammen ein Jahrhundertwerk. Und ich kann sagen, ich bin dabei gewesen. In großer Nähe, denn ich war bestimmt öfter in der Mensa, als im Seminar. Nachweislich von 1977 (Mai  Abitur, Oktober Immatrikulation, also kein australisches Orientierungsjahr!) bis tief in die achtziger Jahre war ich an der Uni. Das mal vorneweg: mit meinem Studium bin ich bis heute nicht fertig geworden, dabei hatte alles so geordnet begonnen.

Diplombiologie sollte es werden und Philosophie als zweites Fach. Bei der Studienberatung runzelte man die Stirn – eine seltene, anspruchsvolle Kombination?! Nun denn, ich fühlte mich gut gerüstet, mit Leistungskurs Bio-Abitur und meinem Lieblingsphilosophen Ernst Bloch im Gepäck trat ich die Reise von Waldkirch nach Freiburg an und fand wie selbstverständlich kein Zimmer.  Mein Studium begann gleich mit Streit und Streik. Wer Ende der siebziger Jahre mittags in die Mensa in der Rempartstraße ging, der wurde oft von einem Dutzend Flugblattverteiler erwartet. Maoisten verteilten die „Peking Rundschau“ und sammelten Geld für eine Druckmaschine für Zimbabwe, die Marxistisch-Reichistische-Initiative (MRI) warb mit sexueller Befreiung. Der heute rechtsradikale Jürgen Elsässer verkaufte damals noch den „Arbeiterkampf“ des Kommunistischen Bundes. Natürlich gab es jede Menge Engagement für die jeweils gerechte Sache, große Heilsversprechen, aber auch ideologische Wegelagerei. Copyläden gab es noch keine. Wer gesellschaftlichen Druck machen wollte, der musste drucken lassen. Wenn der „Allgemeine Studentenausschuss“ (AStA) eine Vollversammlung ansetzte, dann war das Audimax rappelvoll und es gab heiße Debatten. Hier konnte man den argumentativen Nahkampf studieren. Ich hatte mich 1979 von der Diplombiologie verabschiedet und den Wechsel von der Mensa II in die Mensa I vollzogen. Natürlich besuchte ich verschiedene Vorlesungen, wobei ich Dozentinnen und Dozenten bevorzugte, denen ein politisch korrekter Ruf vorauseilte. Ein Seminar über Günter Wallraff bei Rüdiger Scholz ist mir in Erinnerung. Ich habe noch eine hektographierte Hausarbeit über das Thema „Frauen in die Bundeswehr“.

Bevor ich mein Magisterstudium der Germanistik und Philosophie in examenstaugliche Bahnen lenken konnte, erfuhr mein Lebensweg eine entscheidende Ablenkung. Schuld daran war ein Angebot des Studium Generale. Ein Freund machte mich auf die Veranstaltung im Fachschaftshaus auf dem Schauinsland aufmerksam: Sammy Drechsel, der Impressario der berühmten „Lach- und Schießgesellschaft“ aus München, gab einen Wochenend-Workshop zum Thema politisches Kabarett. Bei Drechsel merkte man, dass er Lust hatte, mit den Mitteln der Satire in der Politik mitzumischen. Seine Truppe mit Hildebrandt & Co stellte – mit der SPD im Rücken – die Kabarett-Opposition gegen den CDU-Staat der 1960er Jahre. Kabarett gab es damals nur von links. Für mich war die Begegnung mit Sammy Drechsel ein Anstoß, und ich versuchte mich mit satirischen Texten in einer Laienspielschar an der Pädagogischen Hochschule. Daraus entwickelte sich dann das Kabarett „Schmeißfliege“. Ein schrecklicher Name, nicht wahr? Ich bin froh, dass ich heute nicht so heiße, aber damals hatte es seinen guten Grund, denn Franz-Josef Strauß hatte linke Kritiker seiner Politik als „Ratten und Schmeißfliegen“ bezeichnet. Also zeigten wir uns solidarisch,  gaben uns den nome de guerre „Schmeißfliege“.

Rückblickend kann ich sagen, dass diese wilden Jahre die Aktivierungsenergie lieferten, die in mir eine exotherme, politisch-satirische Reaktion ablaufen ließen. Anders ausgedrückt: Ich wollte nicht mehr studieren, sondern auf die Bühne. Ich bat damals meinen Lieblingsdozenten um einen väterlichen Rat. Soll ich weiter studieren oder versuchen, meinen Lebensunterhalt mit Kabarett zu bestreiten? Die Antwort war sehr eindeutig und hat mir geholfen. Daher an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Professor Scholz und das Studium Generale. Während der Bühnenabstinenz der letzten Corona-Monate kam mir hin und wieder der Gedanke, das Studium wiederaufzunehmen, da weiter zu machen wo ich vor 40 Jahren aufgehört hatte, bei Professor Baumann und den Aphorismen. Der Slogan des SWFR jedenfalls klingt verlockend: Sie studieren, wir besorgen den Rest. 

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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