Peter Gaymann

*1950, deutscher Cartoonist, Markenzeichen Hühner

Träume können manchmal wahr werden

Vom Keplergymnasium, wo ich so irgendwie mein Abi bestanden habe, zur Fachhochschule für Sozialwesen brauchte man nur über die Straße zu gehen und trotzdem war es ein großer Schritt. 
Denn mit Beginn meiner Studienzeit 1972 bin ich zum Leidwesen meiner Mutter zu Hause aus- und in das Studentenwohnheim der Caritas eingezogen. Zwischen meinem Elternhaus und meiner neuen 15 qm-Bude lagen nur fünf Kilometer. Aber auch die große Freiheit. 
Der Beginn meiner Studienzeit fiel also auch zusammen mit dem lang ersehnten Ausbruch aus einem engen und sehr katholischen Elternhaus. 
Sozialarbeit mit Schwerpunkt Jugendbildungsarbeit hatte ich für mich vorgesehen. An einige Vorlesungen und Professoren erinnere ich mich noch recht gut, an vieles andere nur noch schemenhaft. Nicht, dass ich ein fauler Student gewesen wäre. Ich habe brav die Vorlesungen besucht und meine Scheine gemacht, aber in meinem Kopf spukten ganz andere Themen. Ich war viel im Kino, ich las viele Bücher, die mit dem Studium nichts zu tun hatten: Handke, Hesse, Dostojevski, Böll…. Mein erster Fellinifilm fiel fast mit dem Studienbeginn zusammen und ich war dermaßen angefixt von diesem italienischen Filmemacher. Träumte mich nach Italien.
Außerdem habe ich sehr gern gezeichnet und gemalt und bewegte mich immer stärker in eine Künstlerwelt. Unweit der Fachhochschule lag der alte Friedhof von Freiburg. Dorthin verzog ich mich in der vorlesungsfreien Zeit und las und zeichnete. Baumstudien, Engelsfiguren und so weiter. Manchmal marschierte ich auch auf den nahen Schlossberg und zeichnete von dort die unter mir liegende Stadt.  
Ich war mir nicht klar darüber, wo das alles hinführen könnte, also zog ich mein Studium bis zum Ende durch. Im Haus der Jugend Freiburg machte ich ein halbjähriges Praktikum. Ich malte, bastelte, werkelte mit Kindern und Jugendlichen und schrieb meine Abschlussarbeit zum Thema Kreativität - mit „gut" bestanden. 

Wir schrieben das Jahr 1976, und ich hätte mir nun eine Arbeitsstelle suchen können. Soweit kam es aber nie. Nur kurze Zeit nach Beendigung des Studiums beschloss ich bei einer Tasse Kaffee im Tchibo am Siegesdenkmal, dass ich mir selbst die Chance geben muss, der Lust am Zeichnen, Malen und Lesen nachzugeben. Ich wollte mich zwei Jahre lang ernsthaft darauf einlassen und sehen wohin sich das entwickelt. 
Unterstützung in der Familie hatte ich keine, nur Gegenwind, auch von vielen Freunden. Alle hatten Angst um meine Zukunft und Geld hatte ich auch keins. Also zeichnete ich ab sofort täglich mehrere Stunden und an einigen Nachmittagen gab ich Kurse für Kinder und Jugendliche im Haus der Jugend. Die kannten mich da ja schon. 
So begann also mein zweites Studium… fernab von Uni oder Fachhochschule. Alles, was ich heute bin und kann, habe ich mir selbst beigebracht. 
Ab 1984 konnte ich von meiner Arbeit leben und eine Familie ernähren. 1986 zog ich nach Rom. Dort habe ich letztlich auch einmal Fellini getroffen. Träume können manchmal wahr werden. 

Dem Studierendenwerk wünsche ich zum Geburtstag alles Gute! Gut, dass es euch gibt und ihr für die Studierenden zur Stelle seid. Auf in die nächsten 100 Jahre - Happy Birthday!

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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