Florian Schröder

*1979, Kabarettist, Autor, Kolumnist, Hörfunk- und Fernsehmoderator

Die Hochschule ist nicht die Fortsetzung der Oberstufe

Die Hochschule ist nicht die Fortsetzung der Oberstufe

Meine Studienzeit in Freiburg war geprägt von der Erfahrung, endlich in der großen weiten Welt angekommen zu sein. Ich war ganze 60 km von Lörrach nach Freiburg gezogen, um hier dem urbanen Leben zu frönen. Als Student der Germanistik und Philosophie hatte ich auch schnell meine naturgemäßen Feinde: Juristen und allerlei Wirtschaftswissenschaftler, denen wir unterstellten, einfach spießig zu sein in ihren Lacoste- und Tommy Hilfiger T-Shirts, die mutmaßlich Papa bezahlt haben musste. Wahrscheinlich war das Ganze weniger empirisch überprüfbar, als viel eher ein Distinktions- und Abgrenzungsmerkmal, wenn auch ein schwaches. Aber mit Empirie hatten wir Geisteswissenschaftler ja noch nie etwas am Hut.

Die Gnade der frühen Geburt wollte es, dass ich noch vor allerlei Bologna-Reformen auf Magister studieren durfte. Für die Jüngeren: Das war so eine Art fortgeführte Waldorfschule - jeder machte, so viel er wollte und wann und wie er mochte. Am Ende stand vielleicht ein Abschluss – oder auch nicht.

Ich war sehr froh um die wenigen Pflichten und zahlreichen Rechte, um die Freiheit jener Jahre, um das Gefühl, mich von Dozent*innen zu Autor*innen und wieder zurück treiben lassen zu können, ohne viele Vorschriften zu bekommen. Darüber hinaus durfte ich Germanistik und Philosophie studieren – die Impulse, die ich dort kennen lernen durfte, begleiten mich bis heute. Dank dieser Bedingungen und dank der fürsorglichen Gnade des Studierendenwerks durfte ich meine erste Show an der Uni moderieren – Schröders blaue Couch, eine Campus Talkshow in der meist übelriechenden Mensa. Spaß gemacht hat es trotzdem – oder gerade deshalb. Auch in den Tagen danach erinnerte der Geruch der Klamotten noch an jene unvergesslichen Abende. Insofern bin ich der Uni Freiburg und dem Studierendenwerk in freundschaftlicher Dankbarkeit bis heute verbunden für die Erfahrung dieses großen intellektuellen Freiheitsraumes.

Ich lebte damals in Zähringen, in meiner ersten eigenen Wohnung, einem kleinen Zimmer mit 23 qm und einer Terrasse, auf die ich halb passte. Es war also eher klösterlich als studentisch-wild. Schnell wurde ich auch mit dem lokalen Humor vertraut, indem man mir sagte, es gehöre zum guten Brauch, den Witz zu machen: Wir mussten zäh ringen, bis wir die Gundel fingen. Der Witz war wichtig, denn ich wollte Komiker werden und da sind die schlechten Gags als Abschreckung mindestens so fruchtbar wie die guten, scheinbar unerreichbaren.

Die urbane Komponente Freiburg wurde umso bedeutender, je häufiger ich in Baden-Baden war, wo ich damals bei SWR3 arbeitete. Nachts Baden-Baden, tagsüber Freiburg – umgekehrt wäre es besser gewesen. Wobei das bei Baden-Baden wurscht ist, ob man dort morgens um 11 oder abends um 11 durch die Straßen läuft. Aber ich war ein Pendler zwischen den Welten – und das weitete den Blick und ließ mich die Freiburger Studiwelt auch wieder mehr schätzen – und umgekehrt genauso.

Letztlich habe ich der Uni auch in Sachen Satire viel zu verdanken: Noch bevor ich eingeschrieben war, als Zivi beim Uniradio, gewann ich den Uni-Kleinkunstpreis. War das überhaupt legal? Falls nicht und er mir jetzt aberkannt werden sollte – ich habe Euch trotzdem lieb! Sehr sogar!

Auf den Studipartys war ich nie, wenngleich die Medizinerpartys die besten gewesen sein sollen und die Jurapartys die schlechtesten. Aber das Thema hatten wir ja schon.

Ich bin gefragt worden, ob ich einen Tipp habe für Studierende heute. Man kommt sich schnell wie ein alter Sack vor, wenn man so gefragt wird, aber vielleicht bin ich das ja auch, möchte es aber nicht wahrhaben. Entsprechend habe ich keinen Tipp, sondern einen Wunsch:

Die Hochschule ist nicht die Fortsetzung der Oberstufe mit anderen Mitteln. Wer die Hochschulreife hat, sollte Freiheit bekommen und leben – in jeder Hinsicht. Ich weiß, dass dies auch unter Bologna-Bedingungen möglich ist, wenngleich wahrscheinlich schwieriger. Mein Wunsch wäre, dass ein Lernen im Geist des Ausprobierens, des Versuchens und Irrens, des Wagens und Scheiterns gelebt werden kann – auch unter dem Diktat der Effizienz und der Punkte, die es zu hamstern gilt. Die angeblich so komplexe Gegenwart braucht offene, freie, selbständige und selbstbewusste Geister, nicht Faktenfresser, die die immer gleichen mutmaßlichen Notwendigkeiten und Selbstverständlichkeiten immer aufs Neue wiederkäuen. 

So – und jetzt ziehe ich mich aufs Altenteil

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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