Georg Restle

*1965, Journalist, Grimmepreisträger, Leiter und Moderator des Politmagazins Monitor im Ersten Deutschen Fernsehen

 

 

Humus für kritischen Geist

Erinnere ich mich an meine Studienzeit in Freiburg, scheint dabei immer die Sonne - als wolle mein wohlwollendes Gedächtnis ein südbadisches Klischee dauerhaft bedienen. Dabei waren die Winter oft trüb, die Sommer oft stürmisch und der lange Weg über die Wolken weit – jedenfalls per Fahrrad auf den Schauinsland. Und unten im Tal das Kollegiengebäude II, ein hässlich-trutziger Klotz gegenüber der Oper, Hort der Rechtswissenschaften, meine akademische Heimat: Überfüllte Hörsäle, selbst das Audimax reichte damals nicht, um uns Boomer unterzubringen; Vorlesungen auf den Stufen, die Professoren – alles Männer - außer Reichweite. Die Proteste gegen solche Studienbedingungen waren legendär: Zu Tausenden waren wir auf den Straßen, streikten und demonstrierten gegen eine Universität als Verwahranstalt und gegen eine Politik, die daran nichts änderte. Sogar einen „Freiburger Frühling“ setzten wir als lebendige Kontrastveranstaltung zur grauen Einöde des universitären Curriculums: Eine Woche lang im großen Zelt vor dem KG II – ein Labor für eine Universität, wie wir sie uns wünschten: Ein Provisorium als öffentliches Forum, mittendrin in einer Gesellschaft, deren Fragen und Werte wir verhandeln wollten. Kritische Wissenschaft statt herrschender Meinung: für Juristen eine besondere Herausforderung; im täglichen Studienalltag allemal, aber auch im Engagement darüber hinaus: Beim Arbeitskreis kritischer Juristen als Gegenmodell zum schwer konservativen RCDS, dem wir damals die Mehrheit entrissen. Bei den Protesten gegen eine „KTS“, die uns als Sinnbild größenwahnsinniger Stadtzerstörung erschien. Bei Radio Dreyeckland draußen im Grethergelände, wo wir mit einer kleinen Truppe morgens von sechs bis acht ein Gegenprogramm sendeten – auf MCs im Kassettenplayer. Gegenprotest, Gegenprogramm, Gegenmodell - und für eine Welt, von der wir uns damals weit mehr erhofften als von der bestehenden. 

Those were the days: Alles ein großes Abenteuer, Humus für kritischen Geist allerorten in einer Stadt, an der noch heute mein Herz hängt. Und das hat am Ende auch mit einem Fußballverein zu tun, den wir beim ersten Aufstieg in die Bundesliga begleiteten: von den sandigen Zuschauerstufen der Zweiten Liga mitten hinein ins damals nagelneue Dreisamstadion, unvergessene Siege gegen Dortmund und München inklusive. Und klar: Auch dieser Verein ein Gegenentwurf – was sonst in Freiburg? In diesem Sinne: Möge die Sonne über dieser Stadt (und dem SC!) scheinen, jederzeit, nicht nur in meiner Erinnerung!

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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