Hans Albert Stechl

*1949, Jurist für Medienrecht und Vorsitzender des Verwaltungsrates des Südwestrundfunks (SWR)

Verkiffte Abende bei meinem Freund Claus

Wintersemester 1968/69, Studienbeginn. Der erste Eindruck von Freiburg: verheerend. Ein Herbstnebel, so dicht, wie ich ihn als Hochschwarzwälder nicht kannte. Über Tage hinweg war die andere Straßenseite kaum zu erkennen. Deprimierend. Aber von da an ging es bergauf.

Sturmfreie Bude; neue Leute kennen lernen und neue Freundschaften schließen; nächtelanges Abhängen im Uni-Keller oder im Sitis oder wie die Clubs sonst noch alle hießen; Sit-in, Teach-in, gelegentlich mal eine Vorlesung sprengen, Demo; dazwischen Nahrungsaufnahme in der Mensa (lag schwer im Magen: die legendäre „Berner Rolle“ - dagegen ist die heutige Mensa des Studierendenwerks ein veritabler Gourmet-Tempel); gelegentlich ein verkiffter Abend bei meinem Freund Claus, der eine offenbar nie versiegende Quelle zu astreinem Schwarzen Afghan hatte; dazwischen immer wieder mal eine Nachtschicht Taxifahren, da das Elternhaus im weit entfernten Hochschwarzwald keinen blassen Schimmer davon hatte, wie kostenintensiv so ein Studentenleben wirklich ist; ganz wichtig: Kino (in meinem Schwarzwald-Kaff hatte das einzige Kino schon vor Jahren dicht gemacht), vor allem im Akademischen Film-Club, einen Fernseher hatte niemand, unvergessen „Viva la Muerte“, Fernando Arrabals radikale Abrechnung mit dem Faschismus; ein Auto musste auch her, Prinz 4 von NSU (ein damals noch unverdächtiges Firmen-Kürzel), eine Rostlaube für 200 Mark, mit der ich jeden Tag von meiner Studi-Bude in Freiburg-St. Georgen über die Ka-Jo auf den Münsterplatz gedüst bin, wo ich immer noch irgendwo einen Parkplatz fand; am Wochenende ins Elsass, dort waren Essen und Wein großartig und preiswert; im Sommer Baggersee, im Winter Uni-Skimeisterschaften am Franzosenhang in Muggenbrunn.

Und das Studium? Ach ja, das hat auch noch irgendwie eine Lücke gefunden im eng getakteten Zeitplan. BGB, Strafrecht, Öffentliches Recht - Hesse, von Caemmerer, um nur zwei prägende Professoren zu nennen. Und weil eben alles einen gesellschaftlichen Kontext bzw. Überbau bzw. Unterbau hatte, habe ich mich noch in Soziologie eingeschrieben - in bleibender Erinnerung die Seminare am Popitz-Lehrstuhl im soziologischen Institut an der Günterstalstrasse. Verzweifelter Versuch, Habermas` “Strukturwandel der Öffentlichkeit“ zu kapieren. Wie ich/man das damals alles unter einen Hut bekommen hat? Ganz einfach: es gab keine Regelstudienzeit, kein verschultes Studium, keine Helikopter-Eltern. Man konnte ein, zwei Semester einfach in den Sack hauen, um sich selbst und seinen Platz im akademischen Betrieb zu finden.

Studium in Freiburg - unterbrochen von zwei Semestern an der Uni in Genf (dem DAAD bin ich für das Stipendium bis heute dankbar!) - das war alles in allem das Aufstoßen einer riesigen Türe hinein in ein - bis heute - spannendes Leben. Merci Freiburg!  Und herzlichen Glückwunsch an das Studierendenwerk Freiburg, welches die Studierenden in dieser prägenden Zeit begleitet und unterstützt! Happy Birthday zu 100 Jahren!

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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