Robert Habeck

*1969, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Aristoteles und Heidegger

Die erste Erinnerung an Freiburg ist eine Demonstration. Eine gegen den Golfkrieg. Wir standen im Regen vor dem K2 und trotzdem ging es mir gut: Studieren und Demonstrieren, so hatte ich mir das vorgestellt.

Wahrscheinlich bleiben Studienjahre für alle Menschen intensive Erinnerungen. Bei mir ist das jedenfalls so. Ich erinnere mich an das Brummen der Leselampen in der germanistischen Bibliothek, daran, dass in den Heidegger-Vorlesungen noch Prüfungen bestanden werden konnten durch das Anfertigen genauer Mitschriften, die dann auf Matrizendruckern (den Vorläufern von Kopierern) vervielfältigt wurden. Ich erinnere mich an das Schwarze Brett, an das ich den Zettel zur Gründung einer Theater AG hängte, der dann dazu führte, dass ich meine spätere und heutige Frau kennenlernte. Unser Treffpunkt war damals immer „bei Aristoteles“ an den Stufen des Platzes der Universität. Und als ich neulich mal wieder in der Stadt war, hab ich mich ganz selbstverständlich zu seinen Füßen gesetzt. Und dann bin ich nach Herdern rausgelaufen, wo ich damals in einer alten Holzvilla in der Wintererstraße in einem kleinen Zimmer unterm Dach wohnte. Ich war zuvor 27 Jahre nicht mehr da gewesen. Vor dem Haus saßen eine junge Frau und ein junger Mann auf den Treppen und redeten über ein Buch, das zwischen ihnen lag. Ich blieb an der Pforte stehen und sah sie an. Und irgendwann fragten sie mich, ob sie mir helfen könnten. „Ich hab hier auch mal gewohnt“, antwortete ich. Und dachte in dem Moment: „Du bist so peinlich.“ Damals gab es in Freiburg noch keine verfasste Studierendenschaft, nur einen unabhängigen Asta, weil das Hochschulgesetz in Baden-Württemberg politische Vertretung von Studierenden nicht wollte. In diesem U-Asta arbeitete ich mit und lernte, was selbstorganisierte Demokratie bedeutete. Später ging ich kurzzeitig auch zu den Freiburger Grünen, das war mir damals aber doch noch zu selbstorganisiert.

Und auch die letzte Erinnerung an meine Zeit in Freiburg ist eine Demonstration, eine gegen den Ausbau der B 31. Das war damals das große Thema. Ich malte mit meinen Freunden ein riesiges Banner auf dem stand: Breitspurplaner – Schmalspurdenker. Das trugen wir voller Stolz auf das Wortspiel nach Littenweiler. Ich war voller Tatendrang und hatte gleichzeitig zu viel damit zu tun, mein eigenes Leben auf die Reihe zu kriegen. Am Tag danach fuhr ich nach Kopenhagen, wo ich weiter studierte.

Studieren ist eine prägende Zeit – seit 100 Jahren ist das Studierendenwerk Freiburg nun aktiv. Herzlichen Glückwunsch zum runden Geburtstag!

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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