Sybil Volks

*1965, erfolgreiche Roman und Krimi-Autorin, u.a. Berlin-Roman „Torstraße 1“

Freundschaften, Freiheit und Feminismus

Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum, liebes Studierendenwerk Freiburg! Als Hundert­jährige bist du sicher schon geimpft. Und alt und cool genug, um zu wissen, dass zum Leben viele Risiken und Nebenwirkungen gehören, die man am Ende nicht verpasst haben möchte.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine Zeit lang wollte ich Literaturprofessorin werden. Doch am Ende hat es nur zur Schriftstellerin gereicht. Dabei begann alles so vielversprechend: Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie in Freiburg, 1985 bis 93. Acht Jahre, im Ernst? Nun ja, es war ein studium generale. Wir studierten das Zusammenleben in WGs und Arbeitskreisen, das Überleben durch Kellnern und Kinderhüten, das Freiburgleben beim Wandern und Hausbesetzen, das Nachtleben im Crash, das Lotterleben im Lorettobad, das Liebesleben in Theorie und Praxis, und alles zusammen im legendären Jos Fritz, Buchladen, Café und Meeting Point. Wir studierten Freundschaften, Freiheit und Feminismus. All das wäre online ziemlich schwierig gewesen.

Mit einer Handvoll Studentinnen gründeten wir 1988 an der Uni das Feministische Referat, beackerten Frauenförderpläne bei Tag, plakatierten Uniwände bei Nacht. 1989 disku­tierten wir beim StudentInnen­kongress Freiburger Frühling auf dem Podium Das Geschlecht der Gedanken. Wie viele andere Studentinnen war ich glücklich über die Berufung von  Prof. Irmgard Röbling, die die Literatur von Autorinnen vom Randthema in den Mittelpunkt rückte. Bei ihr wurde ich 1990 Wissenschaftliche Hilfskraft. Und ja doch, ich studierte auch. Wochenlang­ in Büchermeeren versinken, um aus einem Strudel wilder Ideen aufzutauchen, die in überflüssige Seminararbeiten münden … herrlich!

Der Weg zur freien Autorin und Veröffentlichung meiner Romane war lang und das Handwerkszeug kein Teil des Curriculums. Doch mein persönliches studium generale hat mir dazu Lebens­mittel auf den Weg gegeben: eigenen Leidenschaften folgen, bei Widrigkeiten dranbleiben, mit ständiger Unsicherheit leben, die Arbeit nicht für Ruhm, Geld und Likes tun, sondern aus Liebe zur Sache und Freude daran. Und das Allerallerbeste, was mir aus Studienzeiten bis heute geblieben ist, ist meine Frau Anne, mit der ich das Leben teile.

Im Rückblick gehört für mich all das zusammen: die Bücherstapel und staubigen Tage in Bibliotheken, die lauen Sommernächte und Küsse von Männern und Frauen, die Proteste gegen Atomkraft und das Plätschern der Bächle in den Gassen. Freiburg, die schöne, alte Stadt, die schon so viele hat kommen und gehen sehen, um „ach, Philo­sophie“ und das Leben zu studieren und niemals daraus schlau zu werden. Zum Glück.

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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