Wolfgang Schäuble

*1942, deutscher Politiker der Christlich Demokratischen Union, seit 2017 Präsident des Deutschen Bundestages

Und ich neige nicht zur Nostalgie

Wenn ich an mein Studium in den sechziger Jahren in Freiburg zurückdenke, wird mir bewusst, wie sehr sich unsere Welt verändert hat! Ich kam aus Hornberg im Schwarzwald – in die Großstadt! Mit Ehrfurcht und ein bisschen Bammel. Es war für mich der Schritt in eine offene, neue Welt. Ich studierte Jura und Volkswirtschaftslehre, um Anwalt zu werden. Mein Berufsziel habe ich offenkundig nicht so ganz getroffen, das Studium an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät aber in guter Erinnerung! Es war anspruchsvoll, verglichen mit den Studiengängen heute allerdings sehr frei. Das habe ich immer als Chance empfunden, in Wahrheit war damit sicherlich viel Eigenverantwortung verbunden.

Mit meinen knapp 19 Jahren erlebte ich in Freiburg zum ersten Mal ein so reiches und anregendes Kulturangebot; in der traditionsreichen Universitätsstadt konnte ich in Bibliotheken, ins Theater oder ins Konzert gehen, was ich sehr genossen habe. Im vordigitalen Zeitalter, als wir unter Medien die Zeitung und das Radio und Fernsehen mit ARD und ZDF verstanden, war es etwas Besonderes. Theater und Konzertbesuche wurden mir rasch zur Gewohnheit – und die habe ich gern beibehalten.

Zu Beginn meines Studiums war ich bei einer Witwe einquartiert, die mir ein Zimmer mit einer Schlafcouch vermietete. Statt eines Badezimmers stand das Waschbecken in der Küche zur Verfügung. Das war sicher nicht komfortabel, aber damals ziemlich normal. Wir Studenten, einschließlich der allmählich anwachsenden Gruppe der Studentinnen, aßen selbstverständlich alle in der Mensa. Und wenn mein Job in der Steuerkanzlei meines Vaters am Wochenende genügend eingebracht hatte, habe ich mir das Rumpsteak mit Kräuterbutter im „Löwen“ geleistet.

Bereichernd für mich waren die vielen tollen Leute, die ich damals kennenlernen konnte, allen voran die renommierten Professoren, die in Freiburg lehrten und eine besondere intellektuelle Aura verbreiteten. Im Grundstudium besuchten wir nach meiner Erinnerung nur Vorlesungen. Auch wenn im Verlauf meines Studiums die Forderungen nach mehr Mitsprache und Reformen laut wurden, dominierten die großen Ordinarien, die ex cathedra dozierten. Wir spürten, dass ihre Autorität allmählich hinterfragt wurde. Dennoch hatte ich Respekt vor ihnen, auch wenn manche ihre Gelehrsamkeit vielleicht etwas zu sehr zur Schau gestellt haben. Mich beeindruckten meine akademischen Lehrer und der wissenschaftliche Disput – allerdings nicht so sehr, dass es mich nach einer Zeit als Assistent, als Tutor im Colloquium Politicum und der Promotion 1971 in die Wissenschaft gezogen hätte.

Zum Studentenleben gehören natürlich vor allem die Kommilitonen. Ich habe viele Freunde gefunden, manche fürs ganze Leben und vor allem: meine Frau. Ich engagierte mich im RCDS, begann den politischen Streit zu führen oder auszuhalten und war fasziniert von Gleichaltrigen mit zum Teil beachtlichem Selbstbewusstsein. Manche hatten allerdings eine Weltläufigkeit, die sich bei näherem Hinsehen als großspurig erwies. Meine Studienzeit jedenfalls war eine prägende Phase in meinem Leben. Dank der Freiburger habe ich sie als besonders schön in Erinnerung. Und ich neige nicht zur Nostalgie.

Wir sagen Danke

Unser Jubiläum ist nicht nur ein großartiger Moment zum Feiern, sondern auch um DANKE zu sagen - und zwar an euch Studierende:

  • Danke für euren Semesterbeitrag – er hilft solidarisch allen Studierenden und ist damit euer konkreter Anteil für mehr Chancengerechtigkeit!
  • Danke für euren produktiven Druck und die konstruktive Zusammenarbeit – sie hilft uns nicht nur, uns stetig weiterzuentwickeln und erfolgreich zu wirtschaften, sondern auch mehr finanzielle Förderung vom Land zu fordern, damit Studieren für alle erfolgreich gelingt!
  • Und das Wichtigste zum Schluss: Danke für die Lebendigkeit, die Freude und die Weltoffenheit, die ihr in die Region bringt – dank euch pulsiert das Leben!

Und das ist großartig! DANKE!

Auf in die nächsten 100 Jahre:
Du studierst - wir machen den Rest!

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