Studieren mit Handicap

Wenn zu den ganz gewöhnlichen Schwierigkeiten im Studium noch individuelle Handicaps kommen, ist Beratung besonders wichtig. In den Sprechstunden der Sozialberatung oder bei den Beauftragten für Studierende mit Behinderung und Krankheit der einzelnen Hochschulen kann man sich Rat und Hilfe holen.

Weitere Informationen bietet die Informationsbroschüre für Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit. Die Broschüre gibt es als Download (siehe Spalte rechts).

Das Studierendenwerk bietet in einigen Wohnheimen barrierefreie Zimmer für Studierende mit Handicaps.

Im Interview sprechen Nerea Ulrich und Barbara Toth über ihre Arbeit beim Studierendenwerk und über die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten für Studierende mit Handicap.

1) In welchen Bereichen ist das Studierendenwerk zuständig?

Das Studierendenwerk Freiburg-Schwarzwald, kurz SWFR, ist für die soziale, kulturelle und finanzielle Betreuung und Beratung der Studierenden in der Hochschulregion Freiburg, Lörrach, Offenburg, Gengenbach, Furtwangen, Kehl und Villingen-Schwenningen zuständig – und dies nun schon seit genau 100 Jahren.

2) Wer arbeitet in der Sozialberatung des Studierendenwerks?

Die Sozialberaterinnen Barbara Toth und Nerea Ulrich teilen sich die Stelle in der Sozialberatung. Sie sind die Beauftragten für Studierende mit Behinderungen im Studierendenwerk. Die beiden Sozialpädagoginnen bieten kostenfreie und vertrauliche Beratungen für alle ratsuchende Studierenden auf Deutsch und Englisch an.

3) Für wen sind die Sozialarbeiterinnen des SWFR Ansprechpartnerinnen?

Die Sozialarbeiterinnen Frau Toth und Frau Ulrich bieten Beratung zu allen sozialen Themen und Fragestellungen und sind insbesondere zuständig für Studierende mit Handicap oder chronischen Erkrankungen, Studierende mit Kind und für internationale Studierende.

4) Mit welchen Anliegen kommen Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankungen auf die Sozialberatung zu?

Das Studium mit Handicap stellt eine besondere Herausforderung dar. Studierende mit einer Behinderung und/oder chronischen Erkrankung können sich bei der Sozialberatung im Studierendenwerk zu allen Fragen rund um ihr Studium beraten lassen. Hier erhalten sie beispielsweise Auskunft zu barrierefreiem Wohnraum, finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten,  Nachteilsausgleichen (individuelle Kompensation studienbedingter Nachteile) oder werden an die zuständigen Ansprechpartner*innen ihrer jeweiligen Hochschule vermittelt. Die Beraterinnen verstehen sich als Erstanlaufstelle für alle auftretenden Fragen und helfen bei Bedarf auch mit Kontakten anderer Fachstellen weiter.

5) An wen können sich Studierende mit persönlichen oder studienbedingten Problemen wenden?

Neben der Sozialberatung gibt es auch eine Psychotherapeutische Beratungsstelle, kurz PBS, im SWFR. Hierhin können sich Studierende mit seelischen Nöten (z.B. Ängste, Beziehungsprobleme, Konzentrationsstörungen, etc.) wenden. Unsere Psychotherapeut*innen bieten kostenfreie Einzelgespräche sowie ein umfangreiches Seminarprogramm an. Hierzu ist eine Anmeldung erforderlich. Einmal wöchentlich findet eine offene Sprechstunde ohne Voranmeldung statt.

6) Und bei finanziellen Schwierigkeiten?

Das Beratungsangebot im Studierendenwerk besteht aus der Sozialberatung, der PBS und der Studienfinanzierungsberatung. Die Sozialberatung gibt Auskünfte zu Sozialleistungen, in der Finanzierungsberatung liegt der Fokus eher auf der Beratung und Vermittlung von Studienkrediten, Darlehen, Nothilfen (wie z.B. dem Mensa-Freitisch, einem gratis Essen in den Mensen für bedürftige Studierende) und Stipendien.

7) Gibt es speziellen Wohnraum für Studierende mit körperlichen Beeinträchtigungen?

Auf den Bedürfnissen von Studierenden mit körperlichen Beeinträchtigungen liegt ein besonderes Augenmerk, daher bietet unsere Wohnraumverwaltung behindertengerechte, barrierefreie und möblierte Einzelzimmer und Appartements in sechs unserer Wohnheime an. In Freiburg stehen insgesamt 20 behindertengerechte, möblierte Appartements zur Verfügung. Auch für Studierende mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen steht enstprechend eingerichteter Wohnraum zur Verfügung.

8) Was bieten die Mensen für Studierende mit Handicap an?

Die Mensen Rempartstraße und Institutsviertel haben Einrichtungen und Hilfsmittel für Gäste mit besonderen Anforderungen. So gibt es einen Aufzug für Gäste mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Gehbehinderungen. Die Aufzüge bringen Sie direkt in den Speisesaal.
An verschiedenen Standorten stehen Transporthilfen, mit denen sich bis zu drei Tabletts gleichzeitig transportieren lassen.
In jeder Mensa gibt es zwei Tische, die sich mit einem Handgriff an einem Hebel unter dem Tisch mit einer Hydraulik stufenlos in der Höhe verstellen lassen. So passt jeder Rollstuhl unter den Tisch.
Bei allen Fragen, die Sie im Zusammenhang mit Unterstützung oder Hilfestellung haben, wenden Sie sich bitte an den jeweiligen Service Point. Unsere Mitarbeiter*innen geben Ihnen gerne Auskunft und helfen Ihnen weiter.

9) Gibt es BAföG für Studierende mit Handicap? Was ist der sogenannte Nachteilsausgleich?

BAföG steht auch für Studierende mit Beeinträchtigungen an erster Stelle, wenn es um die Finanzierung des Lebensunterhaltes geht und die eigenen Mittel nicht ausreichen.

Für einige Vorgaben des BAföG kann ein Nachteilsausgleich beantragt werden. Möglich ist das z.B. hinsichtlich der Altersgrenze, der Freibeträge bei Einkommen und Vermögen oder der Förderungshöchstdauer. Weitere Informationen erhalten Sie beim BAföG-Amt.


Auch Studierende mit Behinderung in konsekutiven Masterstudiengängen haben Anspruch auf Finanzierung des studienbezogenen Mehrbedarfs durch die Eingliederungshilfe. Diese Auffassung vertritt jedenfalls die "Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe" (BAGÜS) in ihren aktualisierten und im Mai 2006 beschlossenen "Empfehlungen für Leistungen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen zum Besuch einer Hochschule".
Die Sicherstellung des Anspruchs auf Eingliederungshilfe für studienbezogenen Mehrbedarf auch im weiterqualifizierenden konsekutiven Master, ist für viele Studierende mit Behinderung die Voraussetzung, einen ihren Qualifikationen entsprechenden Abschluss zu erlangen und einen angemessenen Beruf ausüben zu können. Auch wenn die vorliegenden Empfehlungen keinen verbindlichen Richtliniencharakter haben, sind sie Leitlinie für die praktische Umsetzung und helfen die Chancengleichheit für Studierende mit Behinderung zu verwirklichen.

Die Friedrich-Engisch-Stiftung hilft Menschen, die von Geburt an körperbehindert sind.
Im Sinne des Stifters Friedrich Engisch bietet die Stiftung - vorrangig im Raum Freiburg - in Einzelfällen einen Ausgleich für die Körperbehinderung. Die Hilfe wird der Notlage der Menschen mit Behinderung angemessen und kommt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unmittelbar zu - als einmalige Unterstützung.


Renate Heyberger zu den Angeboten des SWFR für Studierende mit besonderen Bedürfnissen.

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